Seit dem Ende des 2. Weltkrieges
sind mehr als 60 Jahre vergangen. Seither
gab es keinen weltumspannenden bewaffneten
Konflikt, obgleich die Welt während
des Kalten Krieges stetig drohte von dem
Status Quo in einen verheerenden mili- tärischen
Konflikt abzugleiten. Auch diese Periode
voller Ungewissheit ist mit dem Fall des
Eisernen Vorhanges vorbei. Seither gab es
viele positive Zeichen des Friedens, etwa
die Annäherung der Ost-West Mächte
und zahlreiche bi- und multi- laterale Abrüstungsvereinbarungen.
Zudem bauten sich neben den politischen
auch gesellschaftliche Ressentiments ab.
Doch drohen dem Frieden neue Gefahren? Könnte
sich dieses fragile Gut bereits im Jahr
2012 in einen Krieg verwandelt haben, der
das Ende unserer Zivilisation markiert,
wie es von den Mayas
vorhergesagt wurde?
Um diese Frage zu beantworten,
ist es notwendig sich die drohenden Konflikt-
potentiale zu vergegenwärtigen. Nach
Ende der bipolaren Weltanschauung zwischen
Ost und West trat eine Regionalisierung
der Sicherheitsprobleme auf. Im Vordergrund
stehen dabei innerstaatliche Konflikte,
die sich in regional begrenz- ten Konflikten
äußern. Ein Weltkrieg als Resultat
eines solchen Ereignisses ist un- wahrscheinlich.
Komplex wird die Situation dann, wenn die
Eskalation ausufert und immer mehr Staaten
ihre Interessen berührt sehen.
Grundsätzlich ist
der Frieden durch verschiedene Faktoren
gefährdet. Dazu ge- hören der
Zerfall von staatlicher Ordnung, humanitäre
Katastrophen, die Verbreit- ung von Waffen
und nicht zuletzt der Kampf um Energie,
Rohstoffe, Nahrung und Wasser.
Jeder dieser Punkte birgt für sich
die Möglichkeit einen 3. Weltkrieg
verursachen zu können. Der Zerfall
jeglicher staatlichen Ordnung ist bereits
in Afghanistan, nach der
Besetzung durch die terroristischen Taliban,
von statten gegangen. Hier kämpft bereits
ein multilaterales Staatenbündnis seit
Jahren gegen terroristische Strukturen.
Auch der Irak gilt
bislang keineswegs als stabilisiert. Zudem
trugen Ter roristen, mit Anschlägen
in mehreren Ländern, zu einer allgemein
angespannten Sicherheits- lage bei. Ein
Flächenbrand gilt in verschiedenen
Szenarien nicht als ausgeschlos- sen. Pakistan,
als Nuklearmacht, steht an der Schwelle
zwischen Stabili- sierung und Verlust der
staatlichen Kontrolle. Sollten Al
Qaida und die Taliban
dort die Ordnung stürzen, wären
die Folgen schwer abzusehen. Dies betrifft
zudem unmittelbar das Verhältnis zu
Indien, ebenfalls eine
Nuklearmacht. De facto be- finden sich die
Staaten in einem Dauerkonflikt. Ein offener
Krieg zwischen den Län- dern dürfte
die Gefahr eines Weltkrieges steigern.
Die Verbreitung beziehungsweise
Entwicklung von Waffen ist ein weiterer
Faktor, der einen Weltkrieg auslösen
könnte. Hier gelten derzeitig die umstrittenen
Atomprogramme von Nordkorea
und dem Iran als potenzielle
Krisenherde in der internationalen Politik.
Es stellt sich die Frage, ob es sich eine
internationale Staatengemeinschaft erlauben
kann, dass zwei Staaten, die offene Provokationen
gegenüber Israel beziehungsweise Japan
und Südkorea ausstoßen, ein Atom-
programm betreiben dürfen. Sollte es
hier einmal zu einem Angriff kommen, würde
automatisch der NATO-Bündnisfall greifen.
Ein Krieg wäre in diesem Fall mehr
als wahrscheinlich. Zudem gilt es als sicher,
dass auch Israel über
Atomwaffen verfügt, obwohl dies bislang
niemals öffentlich bestätigt wurde.
Ergänzend besteht
auch die Gefahr, dass Länder wie Nordkorea
oder der Iran Atomwaffen an terroristische
Vereinigungen liefern, sofern sie diese
zur Verfügung haben. Welche fatalen
Folgen das haben könnte, wäre
nicht auszudenken.
Als weitere Auslöser
für bewaffnete Konflikte dürften
gerade in Zukunft humanitäre Katastrophen
und der Kampf um Rohstoffe und Nahrung fungieren.
Im Zuge des Klimawandels wird es hunderttausende
Klimaflüchtlinge geben. Dürren,
Über- schwemmungen und schwere Unwetter
werden ganze Landstriche verwüsten
und große Migrationsbewegungen auslösen.
Diese Faktoren potenzieren sich mit einer
immer schneller wachsenden Erdbevölkerung,
die nach immer mehr Ressourcen verlangt.
Nicht nur auf politischer Ebene birgt der
Zugang zu sauberem Wasser, zu Rohstoffvorkommen
oder ertragreichen Böden ein beachtliches
Konfliktpotential. Auch für die innerstaatliche
Ordnung bergen soziale Diskrepanzen innerhalb
einer Gesellschaft ein hohes Risikopotential.
Bereits heute gibt es 25 Millionen Umwelt-
flüchtlinge, wie Daten der UN belegen.
Nach Schätzungen könnte sich diese
Zahl bereits im Jahr 2010 verdoppelt haben.
Insbesondere der eklatante Mangel an sauberem
Trinkwasser ist ein immenses Problem. Viele
Experten gehen davon aus, dass diese Ressource
in Zukunft bewaffnete Konflikte schüren
wird.
Ob es zu einem Krieg kommt
und ob dieser gar weltumspannend sein wird
hängt von den politischen und gesellschaftlichen
Entwicklungen in den nächsten Monaten
und Jahren ab. Existentiell werden die Entscheidungen
in den diplomatischen Bemühungen im
iranischen und nordkoreanischen Atomprogramm
sowie die Ent- wicklung in Afghanistan und
Pakistan sein. Dies gilt ebenso für
die Weichenstellung zum Schutz des Klimas,
der Entwicklung von nachhaltigen und regenerativen
Energieformen und dem Abbau von Armut. Lassen
sich diese Faktoren durch ein besonnenes
Verhalten entschärfen beziehungsweise
weiterentwickeln, rückt auch ein 3.
Weltkrieg in die Ferne. Gelingt es hingegen
nicht international als Staaten- bund zu
handeln, sondern lediglich im Rahmen nationaler
Interessen sind Konflikte vorprogrammiert.